Johannesburg: auf Gold gebaut |
Johannesburg
Schon vor der Landung auf dem O.R.Tambo Flughafen ist der erste Eindruck von Johannesburg zwiespältig: Unten liegt die hochaufragende, dichtgedrängte Skyline der City, wie sie kaum eine europäische Stadt aufzuweisen hat und ringsherum Bungalows in grünen Gärten mit glitzernden Swimming Pools. Rauchschwaden aus der Ferne zeigen unzweideutig die Existenz schwarzer Townships und Squatter-Camps an, in denen Müll verbrannt und auf offenem Feuer gekocht wird. Zusammen mit dem in Europa verbreiteten Bild von der rasant wachsenden Megapole mit beängstigender Kriminalitätsstatistik verdichtet sich der Wille vieler Touristen bereits im Flugzeug: So schnell wie möglich raus hier! Dieses Urteil hat die Stadt jedoch nicht verdient. Johannesburg ist die vitalste Stadt Südafrikas mit einer vielfältigen Kulturszene und krassen Gegensätzen. Johannesburg ist die Stadt des Goldes, "Egoli", wie die Schwarzen sie nennen und die Stadt der Manager und Juweliere. Mit dem Goldbergbau hat sie den Reichtum des Landes begründet und ist doch zugleich die Stadt der Armen, Kranken und Haltlosen, die das Elend vom Land in die Stadt gespült hat; die Stadt der "informal settlements" und der Obdachlosen. In Johannesburg spiegelt sich der schillernde Alltag des ganzen Kontinents wider mit seinem Glanz und seiner Würde, mit seiner Buntheit und seinem Elend. So sollten Sie sich Zeit nehmen für diese außergewöhnliche Stadt. Es stimmt sehr nachdenklich, wenn man nach einem Besuch der Waterfront (ein aus dem Boden gestampftes Einkaufs- und Vergnügungsparadies samt integriertem künstlichen See) mit einem Sozialarbeiter durch den Stadtteil Hillbrow spaziert und mit Leuten spricht, deren Wohnsitz aus einer Matratze auf einem Bürgersteig besteht. Und noch ein Hinweis zur Kriminalität: Parken Sie Ihr Auto stets sicher und bewacht, tragen Sie nie zuviel Bargeld oder Schmuck mit sich herum, aber lassen Sie sich von der Angst, überfallen zu werden, nicht beherrschen und einschränken. Die gefürchtete Gewaltkriminalität wird in erster Linie innerhalb der Verwandtschaft ausgeübt. Ein weiterer Teil der Gewalttaten, ebenfalls beträchtlich, ist politisch oder durch persönliche Rache motiviert. Und noch eins sollte man bedenken: Wenn von den 7 Millionen Johannesburgern 15 überfallen werden, so füllt das die Zeitungen und prägt das Image. Von den 6.999.985 Johannesburgern, die täglich friedlich zur Arbeit gehen und gesund und unbehelligt nach Hause kommen, schreibt niemand etwas.
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